Wie neue Rezepte entstehen…
Das erste echte Allergiker-Rezept entstand, als ich eines Mittags nach dem Essen frustriert am Tisch saß.
In meiner ersten Allergiker-Zeit hatte ich das öfter – Frust. Es war total schwierig für mich, alle liebgewonnenen Gewohnheiten von jetzt auf gleich beim Kochen aufzugeben. Viele Gerichte funktionierten nicht mehr, Zutaten fehlten und Convenience-Produkte, die ich hätte essen können, waren nicht vorhanden.
Und so viel Zeit, dass ich täglich alles von Grund auf frisch kochen kann, habe ich dann auch nicht. Irgendwie sollte es alles schnell sein und einfach. So habe ich mir als erstes überlegt, wie ich zum Beispiel frisches Gemüse und Kräuter als “Geschmacksverstärker” einsetzen kann. Und das, ohne das es meine Allergie belastet und gut schmeckt.
So habe ich Kräuter und Gemüse getrocknet und mir daraus eine Mischung zusammengestellt. Aber der Versuch ging geschmacklich für mich voll daneben. Das habe ich genau einmal und nie wieder ausprobiert. Der ganze Aufwand hat sich so überhaupt nicht gelohnt. Echt grausig.
Im Supermarkt am Pestoregal kam mir dann die Idee, ein Gemüsepesto selbst zu machen. Ein Pesto mit Zutaten die ich vertrage. Ein Pesto in dem Gemüse und Kräuter in Olivenöl haltbar gemacht sind. So kann ich beim Kochen schnell darauf zurückgreifen.
Schnell sind alle Zutaten in meinen Einkaufskorb gewandert und zu Hause habe ich es dann auch sofort ausprobiert. Und mein erstes Pesto aus Karotten, Lauchzwiebeln, Petersilie, Zucchini, etwas Petersilienwurzel und Meersalz hat einfach herrlich geschmeckt. Und es ist wirklich so einfach und bequem herzustellen. Ich habe jetzt immer etwas davon im Kühlschrank und wenn ich zum Beispiel Hühnchen koche, gebe ich gern einen Löffel davon in die Sauce. Es gibt einen ganz runden schönen Geschmack und ich brauche nicht lange Gemüse und Kräuter schnippeln und solche Sachen tun, wenn es eben mal schnell gehen soll.
Als ich sah, wie gut es mit dem Pesto lief, fing ich an mir immer neue Sachen zu überlegen. Denn ich wollte eigentlich auf nichts verzichten. Und wenn ich richtig leckere Sachen sah, wollte ich sie auch haben, nur eben aus Zutaten, die für mich in Ordnung sind.
So ist mir auch bei einem echten Schweizer Käsefondue, das einige Freunde von mir veranstaltet haben, der Einfall gekommen, dass es das doch auch für Allergiker geben kann.
Als wir die verschiedenen Käse aus der Packung, die einer extra aus Zürich mitgebracht hat, zusammen mit dem Kirschwasser und etwas Stärkemehl geschmolzen haben, ratterte es in meinem Kopf. Man muss doch einfach nur Schafs- und Ziegenkäse nehmen. Dann können es doch schon viele Allergiker essen.
Meistens ist es ganz einfach Rezepte umzustellen. So entstehen leicht und schnell immer mehr. Man weiß genau was drin ist und es keine Zusatzstoffe und Konservierungsmittel enthalten.
Nur letztens bin ich wieder mal auf die kniffelige Aufgabe gekommen, Schokolade selbst herzustellen. Es war am Flughafen Malpensa, als mich süßer Schokoladenduft umwabert und mir der Mund wässig wird. Seither überlege ich, welche Zutaten kann ich vertragen und wie kann daraus Schokolade werden. Zumindest ansatzweise. Denn Kakao ist für mich tabu. Aber wie soll man Schokolade machen ohne Kakao? Mit Carob vielleicht. Muss man den auch conchieren? Schokolade mit Schafsmilch gibt es ja schon. Aber ohne Kakao, ohne Milch und Sojalezithin habe ich noch keine gefunden.
Mal sehen… eines Tages werde ich mich auch daran machen, denn es ist der Kuchen und die Schokolade, die mir so sehr fehlen.
Und auf diese Art und Weise entstehen ständig neue Rezepte.
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